Die Tradition der Bauerngärten reicht zurück bis in das Mittelalter. Die Klostergärten und deren Aufteilung wurden von den Mönchen dem Ackerbau nachempfunden, und die Vierfelderwirtschaft diente als Grundlage. Später reichten die Nutzpflanzungen bis an Hof und Stall und versorgten die Landbewohner mit frischem Obst und Gemüse. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Bauerngarten als Gartenform bekannt. Er hat bis heute seinen Reiz nicht verloren und findet wieder verstärkt Beachtung.
Die unverwechselbaren Kennzeichen des Bauerngartens sind der Buchsbaum und der typische Holzzaun aus geflochtener Weide oder Holzlatten. Die niedrig gehaltenen Buchsbäume fassen die einzelnen Beete ein und geben dem Garten zusammen mit dem Wegekreuz das streng geometrische Aussehen. In manchen Gegenden wird der Garten durch einen Rosenbogen betreten, der den Eingang umrahmt. Weitere Unterschiede sind durch die jeweiligen klimatischen Bedingungen einer Region gegeben.
Bei der Anlage eines Bauerngartens sollten Sie die typische Grundform, ein Rechteck oder Viereck mit dem Wegekreuz, einhalten. In der Mitte des Gartens befindet sich oft ein Brunnen, eine Wasserstelle oder ein Rondell mit einem Blumenbeet. Die mit Kies versehenen Wege können jedoch auch mit Ziegel- oder Kopfstein gepflastert werden. Um genügend Licht und Sonne zu bekommen, sind die Bauerngärten nach Süden ausgerichtet und werden meistens von Obstbäumen umgeben, die mit Nistkästen ausgestattet sind. Ein Kräuterbeet, oder besser eine Kräuterspirale, vervollständigt dieses Paradies.
Das große Geheimnis der Bauerngärten liegt in ihrer Bepflanzung und stellt zugleich eine Herausforderung für jeden Gärtner dar. Das uralte Wissen über Fruchtfolge, Wechselbeziehungen zwischen Nutz- und Zierpflanzen wird mit dieser Tradition von Generation zu Generation weitergegeben und bleibt somit erhalten. Mit dieser Kenntnis kann auf chemische Schädlingsbekämpfung und Düngung verzichtet werden. Der richtige Zeitpunkt für die Anlage, der eine sorgfältige Planung vorausgegangen sein sollte, ist der Herbst.
In den von Buchsbaum umrandeten Beeten werden Nutzpflanzen zusammen mit einjährigen Sommerblumen und Stauden angebaut, die sich gegenseitig durch Düngung und Schädlingsabwehr unterstützen und ergänzen. Kulturen, wie Linsen, Erbsen, Saubohnen und Pastinaken, die bereits den Germanen bekannt waren, gedeihen mit dieser Art des Anbaus hervorragend. Einheimische Pflanzen finden durch die historische Fruchtfolge die besten Wachstumsbedingungen. Hierbei werden in jährlichem Wechsel auf den einzelnen Beeten Stark-, Mittel- und Schwachzehrer angebaut. Dadurch erhalten Sie Humus von höchster Qualität. Pflanzen, die ätherische Öle enthalten, ziehen Nützlinge an und sorgen dafür, dass die Mischkultur im Gemüsebeet frei von Schädlingen bleibt. Aus diesem Grunde wird Dill zwischen den Salat gepflanzt.
Ein ganz besonderes Aroma verströmt die Kombination von Kresse mit Radieschen. Die Kapuzinerkresse zieht Blattläuse an, durch Ringelblumen werden Schnecken und Nematoden ferngehalten, Buschbohnen pflanzt man zusammen mit Bohnenkraut, während Lauch oder Zwiebeln zwischen Mohrrüben gehören. Borretsch entfaltet sich besonders prächtig zusammen mit Stachelbeeren, da sich die beiden Pflanzen gegenseitig unterstützen. Im Rosenbeet hält er das Unkraut fern, kann allerdings Blattläuse anziehen.
Die Blumen der Bauerngärten sind ein bunter Mix aus verschiedenen Sorten und verleihen den Gärten je nach Jahreszeit ihren besonderen Reiz. Alte Sorten wie Fingerhut, Goldlack, Vergissmeinnicht, Nelken und Tränendes Herz finden ebenso ihren Platz wie Chrysantheme, Rittersporn, Blauer Eisenhut, Gladiolen und Narzissen.
In diesem nahezu perfekten System findet auch das Unkraut seine Verwendung, da es leicht in den Boden eingearbeitet als Gründüngung verwendet wird. Die Brennnessel ist nicht nur ein altes Hausmittel und köstlicher Salat, sondern auch ein ausgezeichneter biologischer Dünger und Schädlingsbekämpfer. Umgedrehte, mit Stroh befüllte Tontöpfe, Reisig- und Komposthaufen locken Nützlinge an und sorgen für ein ökologisches Gleichgewicht.
Der Bauerngarten dient nicht nur der Versorgung mit Obst und Gemüse, sondern ist auch ein Ort der Ruhe und Entspannung. Gerade die Kombination von Nutzpflanzen mit duftenden Rosen, bunten Sommerblumen, Heilpflanzen und Beeren machen den Charme dieser Gartenform aus und laden die gesamte Familie zum Verweilen ein.